Sebastian Schmitt/ newstr (18)
Nicht nur die Menschen in der Stadt Trier sind zunehmend unzufrieden mit der aktuellen Corona-Politik und gehen auf die Straße zum demonstrieren, wie zuletzt an jedem Wochenende. Auch auf dem Land werden die Menschen immer unzufriedener. Doch von dort hat man bisher wenig gehört. Seit gestern nicht mehr. Im Hunsrück gab es eine erste größere Kundgebung von zwei privaten Personen angemeldet.
Scharfe Kritik, geäußert mit dem Mittel des friedlichen Protestes: In Simmertal fand die erste Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen statt. Laut Polizeiangaben beteiligten sich über 60 Bürgerinnen und Bürger an der jüngsten Veranstaltung. Die Demo wurde unter dem Motto „Demonstration gegen die Unverhältnismäßigkeit der politischen Maßnahmen in der Corona-Strategie“ ordnungsgemäß bei der Ordnungsbehörde des Landkreises Bad Kreuznach angemeldet. Der etwa einstündige Spaziergang führte vom Bürgerhaus die Hauptstraße bis zum Netto, weiter über die Ulrich-Fabry Straße und über die Banzel noch mal zurück zum Bürgerhaus. Die beiden mit Organisatoren Markus Neu und Karl-Eugen Kaiser legten großen Wert auf die Einhaltung der Abstandsregeln, der Disziplin und dem tragen einer Mund-Nasen Bedeckung. Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot vor Ort – zu Fuß und mit mehreren Fahrzeugen. Hauptkommissar Harald Gäns, stellvertretender Dienststellenleiter bei der Polizei in Kirn begleitet die gesamte Demo zu Fuß. „Aus Sicht der Polizei verlief die Demonstration komplett störungsfrei und sehr friedlich. Es sei seitens der Anmelder eine große Kooperation zu spüren gewesen, damit die Veranstaltung sauber über die Bühne geht“.
Gegen 19 Uhr setzte sich der Protestmarsch langsam in Bewegung, viele Simmertaler verfolgten das Spektakelaus den Fenstern. „Unsere Grundrechte, wie sie seit 1949 jeder in Deutschland lebenden Person verfassungsmäßig garantiert werden, sind seit Wochen stark eingeschränkt“, erklären die meisten Teilnehmer ihre Beweggründe. „Die Corona-Verordnungen greifen massiv in mehrere Artikel unserer Verfassung und damit in unser aller Leben ein, beispielsweise in das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, die Freiheit der Person, die Glaubensfreiheit, die Versammlungsfreiheit und die Unverletzlichkeit der Wohnung.“
Auch einige Eltern mit ihren Kindern waren dabei, um zu zeigen, dass sie die Vorgänge zu Corona-Schutzmaßnahmen an Schulen und Kindergartenkritisch hinterfragen. „Kinder gehören zu den verletzlichen Seelen in unsere Gesellschaft“.
Ortsbürgermeisterin Christina Bleisinger distanzierte sich im Vorfeld von der Veranstaltung. „Auch in der evangelischen Kirchengemeinde gibt es viel Verwunderung über die angekündigte Anti-Corona-Maßnahmen-Demo. Schließlich kennt doch jede und jeder inzwischen jemanden, der an Covid-19 verstorben ist. Pfarrerin Zumbro-Neuberger und einige Mitstreiterinnen sind daraufhin aktiv geworden: Sie hatten für den heutigen Abend eine Andacht zum Gedenken an die Opfer der Corona-Pandemie geplant. Lydia Brust hat ein Plakat gemalt, das der Andacht „Licht“ verleiht. Beginn war um 19.05 Uhr mit einem Weggeläut, wie es üblich ist, wenn ein Gemeindeglied verstirbt. Danach singt die Pfarrerin vom Balkon aus das Lied „Liebe ist nicht nur ein Wort“ und spricht ein paar Worte. Anschließend endete das Gedenken mit dem Vaterunser und „Der Mond ist aufgegangen“. Die Teilnehmer waren von dem Ablauf positiv überrascht, eine Fortsetzung am liebsten wöchentlich ist in Planung und die Genehmigung soll bis Ende dieser Woche erreicht werden.