Das Windkrafträder gebaut werden, wie derzeit auch in der Windparkanlage bei Pellingen ist nichts außergewöhnliches mehr. Die Bauteile werden in kleinen Schwertransporten von A nach B gefahren, meist nachts ohne großes Kino. Derzeit werden im Windpark Pellingen noch drei weitere Windkraftanlagen gebaut. Doch wenn es am Ende um die langen Rotorblätter geht, dann wird es doch schon hoch interessant. So auch in diesem Fall. Wer in den letzten Tagen am Hirschfelderhof bei zerf an der B 407 vorbeigefahren ist, konnte feststellen, dass dort die Rotorblätter für Pellingen liegen und mit einem Kran fertiggebaut werden. Diese kamen ebenfalls in kleinen Schwertransporten von der A1 bei Reinsfeld kommend unproblematisch zum Hirschfelderhof.

Doch am späten Montagabend und der Nacht zu Dienstag wurde es dann richtig spektakulär und schweißtreibend für die zahlreichen Beteiligten eines großen Schwertransport der zwei Hürden nehmen muss: Durch die Ortslage Zerf mit einer knapp 90- Grad Kurve und schließlich am Ortsausgang- der B 268 eine enge S- Kurve. Wir alle erinnern uns zurück: Im November 2018 rollten hier nicht ganz so lange Rotorblätter in drei Schwertransporten hintereinander ebenfalls nach Pellingen und blieben in der S- Kurve stecken. Damals war die ganze Nacht die Feuerwehr Zerf im Einsatz, Bäume zu fällen um die Schwertransporte wieder frei zu bekommen. Das sollte dieses Mal nicht passieren.

Um 19:30 Uhr ging die Reise von Hirschfelderhof los. Etwa 15 Kilometer Weg lagen vor den Spezialisten. Mit dabei 8 Begleitfahrzeuge mit den verschiedensten Aufgaben. Für 5 Arbeiter ging es den ganzen Weg zu Fuß. Mit einem neuen Selbstfahrer der Firma Scheuerle die mit der Firma Steil aus Trier zusammenarbeiten startete der Schwertransport. Unproblematisch kam er gegen 21:30 Uhr in Zerf an. Nun zog ich wie bisher mit 5 km/h der Transport Schritt für Schritt über die B 407 durch Zerf vorbei an Wohnhäuser. Für einen der Begleiter der Firma Pulchen GmbH aus Saarlouis Marc Ott, war es auch etwas Besonderes. Denn durch den gesamten Ort kamen mehr als 200 Schaulustige, teils aus Zerf aber teilweise aus weiteren Hochwaldorten um bei diesem Ereignis dabei zu sein. Dabei wurde auch größtenteils der Mindestabstand zu anderen Familien eingehalten, viele trugen auch einen Mundschutz. „Wir machen ja wöchentlich Schwertransporte. Aber in den letzten Wochen und Monaten gab es so gut wie keine Schaulustige. In vielen Landkreisen gab es Ausgangssperren und zu hohe Inzidenzen. Und jetzt schauen uns endlich mal wieder die Leute zu, es ist ein schönes Gefühl, die Menschen freuen sich einfach mal wieder draußen was zu erleben“, freut sich Marc Ott.

Und die Spannung wurde immer größer mit erreichen der Ortsmitte. Gegen 22 Uhr kam der 132 Tonnen schwere Selbstfahrer dort an. Jetzt wurde nur noch fotografiert und gefilmt. Um den 65 Meter langen Flügel um die 90- Grad Kurve zu bekommen, wurde der Schwertransport bis zu 35- Grad angehoben um über die Dächer der Straßen schräg um die kurve zu kommen. Ein Highlight, wie es ihn so in Zerf und dem Hochwald noch nie gab. Die Familien mit ihren Kindern kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Und es funktionierte alles ohne Probleme. In professioneller Arbeit rollte der Flügel schließlich wieder in Richtung Ortsausgang Zerf.

Dann wurde es noch einmal interessant und kniffelig in der S- Kurve auf der B 268. Hier gab es mehrere Hindernisse, auf die die Spezialisten achten mussten: Zwei Wohnhäuser im Kurvenbereich, zwei Oberleitungen, die dichten Bäume an Straßenrand und eine Hochspannungsleitung in der Kurve linksseitig. Auch hier kamen die Bewohner und einige wenige aus Zer, die den Schwertransport auch noch unbedingt hier erleben wollten und schauten gespannt zu. Kurzer Halt bei der ersten Oberleitung und dem ersten Haus. Hier war es Zentimeter Arbeit, um nicht die Leitung zu erwischen und zeitgleich nicht an das Dach des Hauses zu kommen. Hauchdünn war die Luft dazwischen, aber mit Auf- und ablassen des Selbstfahrers und mit dem Hin und Her steuern des Rotorblattes ging alles glatt. Gleiches Spiel auch beim zweiten Haus und der Stromleitung, kurz nach links und wieder nach rechts. Das Rotorblatt zur Seite wenden und so auch mit hauchdünner Luft dazwischen an zwei Bäumen vorbeizukommen. Um Punkt Mitternacht war es geschafft. Der spektakuläre Schwertransport hatte die größten Hürden überstanden und konnte nun weiter in Richtung Pellingen rollen. Hierbei war die Bundesstraße voll gesperrt und gegen 3:30 Uhr kamen die Fachkräfte mit dem Rotorplatt nach 8 Stunden Fußweg und 15 Kilometer am Windpark an.

In den kommenden zwei Wochen werden in gleicher Art und Weise noch weitere 8 Schwertransporte mit Flügel den Weg vom Hirschfelderhof nach Pellingen auf sich nehmen. Es wird dann immer wieder zu Vollsperrungen der B 407 bzw. der B 268 kommen.