Sebastian Schmitt für newstr.de (26)

Gegen ca.18 Uhr fingen die Probleme in Winterbach an größer zu werden. Aus namenslosen Rinnsalen, die im Sommer austrocknen, wurden Bäche. Diese wurden über die unter Wasser stehenden Äcker gespeist. Mit dem Treibgut was die Flut mit sich führte, verstopften in kurzer Zeit alle Abläufe. Die „Soonwaldstraße“ in Winterbach wurde zu einem Fluss mitten durch den Ort. Viele Anwohner versuchten mit allem was Sie finden konnten, die Flutwelle von ihren Grundstücken fern zu halten.

In Winterburg wo sich der „Tonnebach“ und der „Gebrother Bach“, zwei kleinste Bachläufe mit dem „Ellerbach“ zusammenlaufen, lief die Flut im oberen Bereich in das Dorf und unten wieder heraus. Das kleine Dörfchen befindet sich in einem sehr engen Talkessel, mit dichter Bebauung. Die braune Brühe fand ihren Weg. Es wurde ein großer Radbagger zu Unterstützung der Feuerwehren angefordert. Dieser zog die größten Treibgutstücke mit seiner Zange aus dem Wasser heraus. Die „Soonwaldstraße“ war für mehr als 2 Stunden nur noch mit dem Boot passierbar. VG Nahe-Glan Wehrleiter, Lothar Treßel, lies vorsichtshalber den Strom im gesamten Ort abstellen.

Gegen 19:30 war der „Gebrother Bach“ in Gebroth so angeschwollen, das es gleich an mehreren Stellen im Ort zu Problemen kam. Ein Reiterhof an dem der Bach vorbeiläuft, wurde von der braunen Brühe überflutet. Hier konnten mit vereinten Kräften mehr als 40 Pferde aus den Fluten gerettet und in Sicherheit gebacht werden. Unter der „Ellerbachstraße“ fließt der Bachlauf durch und Ort kam es zu einem Stauen von Treibgut, wad die Flutwelle verstärkte. So wurden mehrere Anwesen in der „Ellerbachstraße“ komplett überflutet. In Gebroth musste ein Bewohner mit Gehbehinderung aus seinem Haus in Sicherheit gebracht werden. Da das Wasser auf der Straße zu hoch stand, entschieden sich die Helfer für den Transport über eine Drehleiter – die Kameraden aus Bad Sobernheim kamen hier mit ihrem Spezialgerät zum Einsatz.

In einem Post schreibt die Landrätin Bettina Dickes: „Der Starkregen hat unseren Landkreis gestern und vor allem auch heute heftig erwischt, unzählige Kelle und z.T. Wohnräume wurden überflutet, viele Straßen sind Schlammwüsten. So viel ist durch die Kraft des Wassers kaputt gegangen. Ich bin so dankbar für die Einsatzkräfte aus THW, Sanitätsdiensten (zum Glück nur vorsorglich) und vor allem der Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis, die heute hier geschuftet haben, um zu helfen. In Winterbach und Winterburg konnte ich mir ein Bild davon machen, ebenso in Rüdesheim in der spontanen Einsatzzentrale unseres Katastrophenschutzes. Danke Euch allen!“

„Ab ca. 18 Uhr hatte sich ein ortsfestes Regenband mit Sturm und Gewitter über der nördlichen VG Rüdesheim festgesetzt. Während das Gewitter schnell nachließ, regnete es mehrere Stunden ununterbrochen weiter. Auch die Kanalisation konnte die Mengen nicht mehr aufnehmen“, so Michael Ginz, stellvertretender Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr der VG Rüdesheim. Die Wassermassen bahnten sich ihren Weg und überfluteten mit ihrer dreckigen Brühe zahlreiche Ortslagen, Keller und tiefer gelegene Gebäudeteile.

Ein erschreckender Eindruck, was auf die Einsatzkräfte in den nächsten Stunden zukommen würde, vermittelte die erste Lagemeldung aus Gebroth: die Lindenstraße war teilweise hüfthoch überflutet. Die Landesstraße 108 zwischen Winterbach und Winterburg war über mehrere Stunden unpassierbar.
Vor allem Sandsäcke wurden zum Schutz von Gebäuden, Hab und Gut benötigt. Die Bauunternehmen Bellmann aus Roxheim und Stallmann aus Ippenschied sowie Raiffeisen in Weinsheim stellten in Windeseile Sand zur Verfügung. Dort füllten Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW Bad Kreuznach die Säcke und transportierten sie an die Brennpunkte. Weitere gefüllte Jutesäcke lieferten die Feuerwehren Kirn und Idar-Oberstein.
„Ein großes Lob geht an die vielen Einsatzkräfte und Einwohner, die über Stunden Hand in Hand arbeiteten, Keller auspumpten und Straßen und Wege säuberten. Am Sonntag gehen die Aufräumarbeiten weiter, zudem werden die Einsatzkräfte noch einige Stunden in die Reinigung der Geräte investieren müssen. Insgesamt waren über 150 Helfer mit 34 Fahrzeugen im Einsatz, der gegen 02:30 Uhr beendet werden konnte“ so Michael Ginz, stellvertretender Pressesprecher.