Nach der Verabschiedung im „Haus der Solidarität“ wollten wir uns pressemäßig einmal kurz selbst ein Bild der Lage vor Ort machen. Wir sind mit unseren Transportern etwas weiter rein in den Ort gefahren und haben diese in einer Sackgasse, ohne auch nur das kleinste Hilfsfahrzeug zu hindern auf einem Parkplatz abseits geparkt. Von dort aus ging es zu Fuß in Richtung der „Ahr“.  Je näher man an die ehemalige Flutgrenze kam, umso brauner und matschiger wurde es. Uns war allen bewusst: Es sind jetzt fast zwei Wochen vergangen und es hat sich sicherlich schon viel getan und wir werden zwar ein verheerendes Ausmaß sehen, aber nicht wie in Schuld oder Schoßheck ect.

Und es war schlimm- einfach nur schlimm. Wenn ich von mir aus gehe, so spürte ich ein schwer schlagendes Herz… Die Bilder in echt zu sehen, war noch schlimmer, als es ein Fernseher kaum ausdrücken kann. Die Kamera war natürlich, auch für diesen Bericht dabei. Aber gefilmt wurde nur, wenn ich mir sicher war, dass auch keine Betroffene vor Ort zu sehen waren. Wir kamen am Kurpark vorbei und hier bot uns schon ein erstes Bild der Verwüstung. Es ging weiter eine Straße herunter Richtung der „Ahr“, vorbei an einem Wohnhaus, wo das Wasser bis über den ersten Stock stand. Man konnte es an fast allen Häusern erkennen, bis wohin die Wassergrenze war. Auf einem Balkon saß ein älteres Ehepaar. Sie sahen völlig erschöpft und ratlos aus. Wir gingen vorbei an Müllbergen und Autos, die als solches nicht mehr zu erkennen waren. Schließlich kamen wir an einem Seniorenheim vorbei. Wir sahen von weitem, dass sehr viele Helfer da waren. Wir fragten uns, ob sie erst jetzt hier durchgekommen sind. Es liegt in unmittelbarer Nähe zum Fluss. Das Wasser muss hier mehrere Meter hochgestanden haben. Wir erkannten, dass auch sehr viele Polizeikräfte mitten im Matsch standen, auch die Kriminalpolizei. Wir konnten beim schnellen vorbei gehen, nur erahnen, dass hier wohl was Schlimmes passiert sein musste. (Ich habe im nach hinein erfahren, dass an diesem Nachmittag nochmals zwei Leichen gefunden wurden). Der Geruch in der Luft, war sehr erdrückend und kaum auszuhalten. Wir kamen vorbei am Daliengarten, wo man noch eine Werbeschild fand: Landesgartenschau 2023… In diesem Park lag in einer Hecke, ein völlig zerstörtes Auto. Am Fluss lag ein großes Brückengeländer. In weiter Entfernung sah man, wo diese Brücke einmal stand. Komplett weggerissen und niedergedrückt vom Treibgut. Unvorstellbar. So ging es auch weiter. Wir kam en an einem Gymnasium an. Das Erdgeschoss war völlig zerstört. Scheiben eingeschlagen, Decken abgestürzt. Der Bolzplatz mit den Basketballkörben glich einem riesigen und tiefen Matschfeld. Nicht mehr begehbar. Gleich daneben verlief die L 83 mit einer Brücke über die „Ahr“. Doch die Brücke ist an den Enden komplett eingestürzt. Gas- Wasser und Stromleitungen lagen frei. Wir erfuhren das von den 6 Brücken in Badneuenahr- Ahrweiler nur eine Brücke noch befahrbar sei. Alle anderen sind komplett oder teilweise eingestürzt.

Für uns ging es weiter in Richtung der Levana- Schule. Hier wurden massenweise die Sperrmüll- und Schuttberge zwischengelagert. Nun wurden sie mit schwerem Gerät in große LKW verladen und zu den Deponien abtransportiert. Hier kamen wir mit zwei LKW- Fahrer ins Gespräch. Um 4 Uhr rappelte der Wecker, sodass um 5:30 Uhr der erste Wagen gefüllt werden konnte. Die Fahrer kamen aus Bremen und Berlin. Und generell, auf unserem gesamten Weg kamen uns, Feuerwehren, THW, Rettungsdienste, Landwirte, Bauunternehmer und Bundeswehr aus ganz Deutschland und sogar aus Belgien und Luxemburg entgegen. Gänsehaut kann ich nur sagen!

Auf unserem Rückweg zu den Autos kamen wir durch ein Wohngebiet, wo man sah wie hoch das Wasser auch noch hunderte Meter entfernt vom Fluss bis zum ersten Obergeschoss stand. Einfach nur erschreckend! Aber überall wurde gearbeitet Hand in Hand. Hunderte Helfer. Neben dem Marienkrankenhaus kamen wir am Platz vorbei, wo das THW eine Wasseraufbereitungsanlage errichtet hatte. Hier kamen minütlich Fahrzeuge mit Wassertanks zum nach tanken vorbei. Es sei erwähnt, das vor jedem Haus ein großer Wassertank, auch außerhalb des Krisengebiets in Ahrweiler stand. Es gibt nach wie vor kein frisches Wasser.

Wir waren hier nur eine relativ kleine Runde und haben doch so viel erschreckendes gesehen. Aber auch Hoffnung- sehr sehr viele Helfer! Unglaublich viele Helfer. Und dennoch ist allen bewusst: Es wird noch Monate und Jahre dauern. RIP an die bislang 134 Toten. Wir denken an die bislang noch 73 Vermissten und beten für die aktuell 766 Verletzten. DANKE an die 10.000 von Einsatzkräften aller Art und freiwilligen Helfer aller Art !!