Experten rechnen mit Preis-Explosionen nach 9 Euro-Ticket

Bald geht das 9 Euro-Ticket an den Start. Drei Monate lang lassen sich dann für 9 Euro bundesweit Busse und Bahnen nutzen. Allerdings hat das verlockende Angebot auch seine Schattenseiten - Experten rechnen nach Ablauf mit "Preissprüngen".
Foto: Deutsche Bahn AG/ Oliver Lang
Foto: Deutsche Bahn AG/ Oliver Lang

Für drei Monate sollen Fahrgäste bundesweit alle Busse und Bahnen für 9 Euro nutzen können. Ab 01. Juni soll das 9 Euro-Ticket gelten – verfügbar ist es bereits ab 23. Mai 2022. Die Bundesregierung hat das „noch nie dagewesene Verkaufsexperiment“, wie es in einem Artikel von Business Insider benannt ist, im Rahmen eines Entlastungspaket beschlossen. Damit sollen Bürgerinnen und Bürger, vor allem Pendler:innen, angesichts der hohen Spritpreise entlastet werden und werben für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel.

Für 9 Euro quer durch das ganze Land

Erhältlich ist das Ticket von 01. Juni bis 31. August 2022. Innerhalb dieser drei Monate bekommen Fahrgäste das Ticket für 9 Euro. Dieses Ticket ist jeweils bis zum Ende des Monats, in dem es gekauft wurde, gültig. Es gilt bundesweit für Busse, Straßenbanen, S-Bahnen, U-Bahnen sowie Regionalzüge. Ausgenommen sind Fernzüge – die Tickets gelten also nicht für ICE-, IC- und EC-Verbindungen.

Schattenseite des 9 Euro-Tickets

Anfang der Woche wurden Verkehrsexperten bei einer Anhörung im Verkehrsausschuss deutlich. Wie Business Insider berichtet, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des Schienen-Nahverkehr-Verbands, Robert Dorn: „Ohne Erhöhung der Regionalisierungsmittel können wir ab Herbst nicht mehr das gleiche Angebot aufrechterhalten“. Einige Unternehmen stünden bereits kurz vor Zahlungsunfähigkeit, was sich durch das 9 Euro-Ticket verschärft. Denn die Unternehmen haben einen Mehraufwand, beispielsweise durch zusätzliches Personal und Fahrzeuge.

Bereits Ende April hatten sich sich Mitarbeitende der Deutschen Bahn kritisch geäußert: „Wir begrüßen das 9-Euro-Ticket, befürchten aber eine Überlastung vor allem in den Ferienregionen“, sagte Ralf Damde, Vizevorsitzender des Gesamtbetriebsrats DB Regio, gegenüber RND. Demzufolge müsse für den Zeitraum mehr Personal mobilisiert werden.

Experte warnt vor „Preissprüngen“

Im Business Insider-Bericht warnt Jan Schilling vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), dass es „Preissprünge“ geben werde. Demnach müsse die Bundesregierung den Verkehrsunternehmen mehr Geld zusprechen, ansonsten werde es nach August „ungemütlich für die Fahrgäste“.

Der Fluch und Segen zugleich ist, dass das 9 Euro-Ticket viel günstiger ist als normale Monatskarten. Deshalb rechne der VDV mit ungefähr 30 Millionen Nutzern pro Monat für das Sonderticket, die in der Theorie auch nach Ende des Angebots im September weiterhin die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen sollen. So zumindest die Hoffnung der Ampel-Koalition.

ÖPNV muss langfristig attraktiver werden

Ziel müsse es sein, die Zahl von 24 Millionen täglichen Nutzer des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) aus der Vor-Corona-Zeit bis 2030 zu verdoppeln, so der Verkehrsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Jens Hilgenberg, laut Business Insider in der Anhörung. Dafür seien langfristige Verbesserungen unausweichlich. Sowohl das Angebot als auch die Taktung müsse verbessert werden – vor allem auf dem Land. „Wo jetzt kein Bus fahre, werde ja auch durch das verbilligte Ticket keiner fahren.“, heißt es im Bericht weiter.

Kritik gab es auch vonseiten des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs. Die Fahrradmitnahme ist in den Zügen in dem Aktionszeitraum (Juni bis August) eingeschränkt. Allerdings seien die Sommermonate die Hauptsaison für den Radtourismus.

Artikel von Business Insider (16.05.2022), Eigener Bericht