Es ist in den Hochwaldorten schon eine lange Tradition, dass die freiwilligen Feuerwehren am 30. April, dem Hexenabend im Wald mit den zuständigen Forstarbeitern einen Baum fällen und dort die Rinde schälen. Dann wird der Baum, teils unter Musikbegleitung durch das Dorf zum Festplatz gefahren. Erwachsene und Kinder schmücken den sogenannten Maibaum und die Ortswappen werden darauf aufgehangen. In einem kleinen Volksfest wird dann der fertig geschmückte Maibaum entweder von Hand oder mit einer entsprechenden Forstmaschine hochgezogen. Dazu spielen die Musikvereine bunte Lieder. Jugendliche bewachen dann in der Hexennacht den errichteten Baum.
Doch auch in diesem Jahr können diese Volksfeste nicht veranstaltet werden, da kleine und große öffentliche Veranstaltungen derzeit, wie im vergangenen Jahr durch die Pandemie verboten sind.
Doch die Ortsgemeinde Kell am See wollte sich das Brauchtum „Maibaumaufstellung“ nicht gänzlich nehmen lassen. „Das öffentliche Leben und viele Feste sind in diesen Wochen gestrichen, da haben wir in der Gemeinde uns überlegt, dass wir trotzdem einen bunten Maibaum in der Dorfmitte aufstellen“ freut sich Markus Lehnen der Ortsbürgermeister von Kell am See. Doch in diesem Jahr nicht, wie man sonst üblich kennt von der Feuerwehr und dem Musikverein, sondern im kleinen Rahmen von den Mitarbeitern der Ortsgemeinde Kell. „Unsere Forstmitarbeiter und Gemeindemitarbeiter, die auch in der Zeit von Corona täglich gemeinsam arbeiten sind in den Wald und haben einen Baum zurechtgeschnitten“ erzählt Lehnen. Mit einem ortsansässigen Holzunternehmen, wurde dann der Baum mit einem Kran zur Dorfmitte an die Alte Mühle gebracht. Die Mitarbeiter der Gemeinde haben dann die Tanne bunt geschmückt.
Und dann ging alles schnell. Die Straße wurde gesperrt und der Baum mit einem Kran hochgezogen. Anschließend gerichtet, festgemacht und schon strahlte in der Dorfmitte ein bunter Maibaum. Doch unbemerkt blieb diese Aktion, welche bewusst schon einen Tag vor dem Hexenabend aufgestellt wurde, nicht. Mit erlaubtem Abstand verfolgten doch einige wenige zufällig vorbeikommende Spaziergänger aus Kell am See die Aufstellung und zeigten sich sichtlich erfreut.

Auch in Zerf wurde am 1. Maifeiertag einen Baum auf dem Dorfplatz aufgestellt. Mit zwei Landwirtschaftlichen Maschinen wurde der Baum, der zuvor im Wald gefällt und geschält wurde zur Ortsmitte gebracht. Alle Mitwirkenden, zumeist die Gemeindearbeiter, die Forstarbeiter und Gemeinderatsmitglieder haben im Vorfeld ein Coronatest von der Verbandsgemeinde erhalten und konnten dann unter den Coronabestimmungen den Maibaum aufstellen. Im vergangenen Jahr war dies so gut wie nicht möglich. Aber 2021 haben die Bürgermeister gesagt, wir müssen den Menschen wenigstens ein wenig Freude bereiten und zeigen, dass die gepflegte Tradition nicht vergessen wird. So konnte pünktlich zur Mittagszeit der Baum bunt geschmückt hochgezogen werden.

Es sind zwar in diesem Jahr einige Ort mehr, die den Brauchtum ohne viel „tamtam“ durchgeführt haben. Doch das ist nicht überall so. Im Grunde ist es sogar eine große Ausnahme. Die Hoffnung liegt nun wieder auf 2022.

(Wir haben stellv. für wohl einige Orte die Beispiele aus Kell und Zerf)