Die 5 größten Kredit-Mythen

Geld ist und war schon immer ein leidiges Thema. Und nicht immer reicht das eigene Einkommen oder der finanzielle Background, um sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen.
Die Kreditkarte ist bei den Deutschen noch lange nicht so beliebt wie anderswo. Foto: pixabay.com
Die Kreditkarte ist bei den Deutschen noch lange nicht so beliebt wie anderswo. Foto: pixabay.com

In einem solchen Fall gibt es für den Verbraucher die Möglichkeit, sich Geld von einer Bank zu leihen. Der sogenannte Kredit wird dann in regelmäßigen, vorher festgelegten und an die persönliche Situation angepassten Raten zurückgezahlt. Doch viele Menschen scheuen sich davor, eine Kreditanfrage zu stellen. Woran liegt das?

Zahlreiche Mythen ranken sich um das Thema Kredite. Für viele Menschen ist der Gang zur Bank deshalb ein rotes Tuch – dabei muss die Beantragung des Kredits gar nicht zwangsläufig mit negativen Erfahrungen zusammenhängen. Viele der Geschichten, die man sich über Kredite erzählt, sind nicht mehr als das: Legenden, die überhaupt nichts mit der Realität gemein haben. Vor allem die Schufa kommt dabei meist nicht gut weg.
Wer einen Kredit beantragen will, muss zunächst einen passenden Kreditgeber finden. Ein Vergleich der Anbieter kann schnell zeigen, welche Bank die besten Konditionen bietet und ob überhaupt ein Kredit gewährt wird. Umfragen zeigen, dass sich immer mehr Kreditnehmer umfassend informieren, bevor sie die Leistungen einer Bank in Anspruch nehmen. Das macht durchaus Sinn, da die Bedingungen sich deutlich unterscheiden können. Durch einen sorgfältigen Vergleich lässt sich also jede Menge Geld einsparen.
Vor allem in der aktuellen Zeit, in der die Preise für Immobilien auf einem Allzeit-Hoch sind, sind immer mehr Kreditnehmer davon abhängig, Geld von außerhalb zur Verfügung gestellt zu bekommen, denn auch Corona lässt die Immobilienpreise nicht sinken. Umso wichtiger ist es, einmal mit den bekanntesten Mythen über Kredite aufzuräumen.

Mythos 1: Die eigene Bank bietet immer die besten Konditionen

Leider ist die eigene Hausbank nicht immer die, die besten Bedingungen bietet. Auch für langjährige Kunden werden oft keine Ausnahmen gemacht. Man sollte daher dem Bankberater nicht blind vertrauen, sondern sich zusätzliche Angebote der Konkurrenz einholen. Eine gute Möglichkeit für einen Vergleich sind unabhängige Vergleichsportale, die im Internet zu finden sind. Auf diese Weise erhält man einen ersten Überblick und sieht direkt, welche Bank überhaupt für ein Darlehen in Frage käme.
Bietet die eigene Bank gute Konditionen und ist in der engeren Auswahl, kann ein persönliches Gespräch mit dem Bankberater häufig weiterhelfen. Dabei sollte offen kommuniziert werden, dass über ein Darlehen bei der Konkurrenz nachgedacht wird und dass bekannt ist, dass andere Anbieter bessere Konditionen bieten. An dieser Stelle sind die Anbieter oft kompromissbereit, um ihre Kunden an sich zu binden.

Mythos 2: Die Zinsen in Online-Tabellen bilden die Realität ab

Auch diesem Irrtum sind schon viele Verbraucher aufgesessen. In den Online-Tabellen stellen die Anbieter ihre Zinsen unter optimalen Bedingungen zur Schau. Die sogenannten Schaufensterzinsen sind quasi geschönt und entsprechen – zumindest im Großteil der Fälle – nicht der Realität. Es werden immer die Ab-Zinsen dargestellt, die entsprechend steigen, wenn sich die persönlichen Bedingungen des Kreditnehmers ändern.
Zwar sind die Zinsen aktuell so niedrig wie nie, doch sollte man sich darauf nicht blind verlassen. Die Kreditinstitute locken ihre Kunden mit guten Konditionen. Viele Verbraucher vertrauen ihrer Bank, ohne Vergleiche anzustellen oder die Angebote zu hinterfragen.
Für die Berechnung des individuellen Zinssatzes sind neben den Ab-Zinsen noch weitere Aspekte von Belang:

•    Wie groß ist die Zinsspanne, in denen sich die Zinsen im schlechtesten oder im besten Fall bewegen?
•    Wie hoch ist der effektive Zins?
•    Wie viel kostet der individuelle Kredit tatsächlich?
Ein Online-Vergleich ist deshalb zwar gut geeignet, um sich einen Überblick zu verschaffen und die einzelnen Anbieter und deren Ab-Zinsen zu vergleichen. Um die genauen und individuellen Bedingungen zu errechnen, ist der Vergleich jedoch nicht geeignet. Hier muss unbedingt ein persönliches Gespräch mit dem Anbieter geführt werden, in dem alle persönlichen Voraussetzungen berücksichtigt und in die Berechnung einbezogen werden.

Mythos 3: Ein Kredit ist teurer als ein Konto im Minus

Nicht immer muss es bei einem Kreditantrag beim Geldinstitut des Vertrauens direkt um ein Darlehen für eine Immobilie gehen. Auch kleinere Kredite werden häufig in Anspruch genommen, wenn zum Beispiel eine größere Anschaffung getätigt werden muss. Viele Verbraucher glauben, dass sich der Aufwand einer Kreditanfrage für eine solche Investition nicht lohnt und überziehen stattdessen ihr herkömmliches Konto.
Doch wenn das Konto ins Minus rutscht, drohen hohe Zinsen. Diese sind häufig deutlich höher als jene, die für ein Darlehen fällig werden. Der Sollzins für einen Dispo liegt jedoch im Bundesdurchschnitt bei 10%, während der Zins für einen Kredit nur etwa halb so hoch ist. Wer sich also längerfristig ins Minus stürzt, zahlt ordentlich drauf. Es droht außerdem eine Überschuldung, wenn der Weg zurück in die schwarzen Zahlen nicht schnell genug eingeschlagen wird und das Einkommen direkt nach der Einzahlung schon wieder aufgebraucht ist. Ein Ratenkredit in entsprechender Höhe ist deshalb oft die bessere Wahl. Im Allgemeinen lässt sich sagen: Wer eine Anschaffung von mehr als 500 Euro machen will oder sein Konto länger als einen Monat überziehen müsste, sollte sich lieber über einen Ratenkredit informieren.

Mythos 4: Die Schufa ist immer zum eigenen Nachteil

In der sogenannten Schufa werden personenbezogene Finanz-Daten gespeichert. Verträge, Konten, Kredite und vieles mehr sind hier hinterlegt. Grundsätzlich ist das aber nicht schlecht, da die Schufa zeigt, dass der Verbraucher vertrauenswürdig ist. Auch Negativeinträge in der Schufa sind grundsätzlich vom Verbraucher selbst verursacht, weil er zum Beispiel die Miete nicht zahlen konnte, das Konto überzogen hat oder Rechnungen ausstehen. Negative Einträge in der Schufa werden in der Regel nach drei Jahren gelöscht, wirken sich in dieser Zeit aber auf die Bonität aus. Der Mythos, dass man mit einem Eintrag in der Schufa keine Chance auf einen Kredit hat, ist jedoch falsch.
Vielmehr ist die Schufa eine Chance für jene, die einen Kredit haben und ihre Bonität beweisen wollen. Wer bis zum 40. Lebensjahr noch keine Finanzierung abgeschlossen und daher keine (positiven) Einträge in der Schufa hat, wird es sogar schwerer haben, einen Kredit zu beantragen. Die Banken können in diesem Fall nämlich auf keinerlei Erfahrungswerte zurückgreifen.
Die Schufa gibt Informationen an die Banken weiter. Diese können anhand der Einträge eine Kreditwürdigkeit prüfen und mit Hilfe der Informationen den Antrag entweder ablehnen oder gewähren. Doch das muss nicht immer zum Nachteil sein. Schließlich sehen die Banken anhand einer eintragsfreien Schufa auch, dass der Kreditnehmer vertrauenswürdig und zahlungsfähig ist. Einen besseren Beweis der eigenen Zahlungskraft gibt es eigentlich kaum. Wer eine eintragsfreie Schufa hat, hat also per se gute Karten.

Darüber hinaus können bei der Schufa auch die eigenen Daten angefragt werden. Mehrmals im Jahr können Verbraucher die eigenen Daten einsehen und Änderungen oder Löschungen beantragen. Unser Tipp: Vor einer Kreditanfrage sollte unbedingt der eigene Eintrag angeschaut und auf Korrektheit geprüft werden. Falsche oder veraltete Einträge können dazu führen, dass ein Darlehen unberechtigterweise nicht gewährt wird oder die Konditionen ungerechtfertigt hoch sind. Verbraucher sollten sich unbedingt darüber informieren, welche Rechte ihnen laut DSGVO obliegen.

Mythos 5: Wer einmal einen Kredit beantragt, ist ewig gebunden

Auch bei dieser Aussage handelt es sich nur um eine moderne Legende. Natürlich wird bei einem Kreditabschluss ein Vertrag abgeschlossen, der an bestimmte Bedingungen gebunden und rechtskräftig gültig ist. Dies gilt jedoch für beide Seiten – und zur gegenseitigen Absicherung derer. In Deutschland gibt es ein gesetzlich geregeltes Widerrufsrecht mit einer Laufzeit von 14 Tagen. Innerhalb der ersten 14 Tage nach Abschluss hat der Verbraucher folglich die Möglichkeit, vom Vertrag zurückzutreten. Das gilt sowohl für Kreditverträge, die vor Ort abgeschlossen wurden, als auch für solche, die im Internet gemacht wurden. Freiwillig kann der Kreditgeber sogar eine längere Widerrufsfrist gewähren. Aber auch danach ist ein Rücktritt noch möglich – dann wird allerdings eine Zahlung in Höhe von maximal 1% der offenen Restschuld als Strafe fällig.

Unser Fazit: Ratenkredite sind besser als ihr Ruf

Mit den 5 größten Mythen über Kredite konnten wir nun aufräumen. Es zeigt sich deutlich: Niemand sollte sich scheuen, als Verbraucher einen Kredit anzufragen. Auch mit einem Eintrag in der Schufa ist es möglich, ein Darlehen unter angepassten Bedingungen zu erhalten. Das ist immer besser, als das eigene Konto dauerhaft im Minus laufen zu lassen und einen Dispo zu nutzen, der deutlich höhere Zinsen mitbringt. Wer einen Kredit in Anspruch nimmt, sollte seine Finanzen gut im Blick haben und darauf achten, dass aus der Verschuldung keine Überschuldung wird. Es sollte immer so kalkuliert werden, dass noch ausreichend Geld für spontane Fälligkeiten und das alltägliche Leben vorhanden ist. Eine komplette Abhängigkeit vom Darlehen ist nicht zu empfehlen. Dafür ist jeder Verbraucher selbst verantwortlich.

Doch zu negativ sollte man die Sache nicht sehen: Viele der Legenden um den Kredit sind in der Vergangenheit entstanden und waren damals vielleicht sogar gültig. Doch heute hat sich das Blatt gewendet. Während häufige Kreditanfragen bei verschiedenen Anbietern früher so gedeutet wurden, dass der Verbraucher von anderen Instituten abgelehnt wurde, wird ein Vergleich heute nicht zum Nachteil ausgelegt. Im Gegenteil: Wer sich umfassend informiert und gesprächsbereit ist, gilt als interessierter und vertrauenswürdiger Kreditnehmer.