Nach Amokfahrt: Nur noch zwei Schwerverletzte, 300 Menschen suchen Hilfe, 700.000 Euro Spenden

Bei einem der letzten städtischen Pressetermine eines Jahres mit einer Pandemie und der schrecklichen Amokfahrt in der Trierer Innenstadt hatte

Bei einem der letzten städtischen Pressetermine eines Jahres mit einer Pandemie und der schrecklichen Amokfahrt in der Trierer Innenstadt hatte OB Wolfram Leibe zumindest eine gute Nachricht: Eines von drei schwer verletzten Opfern ist auf dem Weg der Besserung. Der Oberbürgermeister betonte mehrfach, dass für die vielfältigen Hilfen der Stadt und des Landes immer die persönliche Perspektive und die Interessen der Opfer ausschlaggebend seien. Das sind nicht nur Hinterbliebene der fünf Toten und die Verletzten, sondern auch Menschen, die das furchtbare Attentat am 1. Dezember hautnah miterleben mussten, als Ersthelfer oder Passanten. Insgesamt geht es um mehr als 300 Menschen.

Zentrale Koordinierungsstelle für finanzielle Hilfen und die Vermittlung von Therapien ist das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung. Dessen Präsident Detlef Placzek ist gleichzeitig ehrenamtlicher Opferbeauftragter des Landes. Er sieht sich in dem Hilfesystem vor allem als „Anker und Lotse“ und berichtete, dass nach dem Attentat auf dem Breitscheidplatz vor vier Jahren einige Regelungen im Sinne der Opfer verbessert wurden. Zwar wird der Passus, dass ein Fahrzeug eine Waffe sein kann, erst 2024 in das Opferentschädigungsgesetz aufgenommen, aber das Sozial-ministerium ermöglichte kurzfristig, dieses Prinzip durch eine Härtefallregelung schon jetzt anzuwenden. Dabei geht es um kurzfristige Zuschüsse, etwa zu Beerdigungskosten, aber auch Renten ab einem bestimmten Grad der Schädigung. War ein Opfer beruflich unterwegs, zahlt die Unfallkasse. Zudem geht es in einigen Fällen auch um die Versorgung von Hinterbliebenen.

Die Haftpflichtversicherung des Fahrzeughalters, der nicht der Amokfahrer war, kommt beim Thema Schmerzensgeld ins Spiel. Zudem will das Landesamt diese Versicherung später für von ihm geleistete Zahlungen in Regress nehmen. Detlef Placzek bedankte sich bei einer Pressekonferenz im Rathaus bei den verschiedenen Rettungsdiensten und den freiberuflichen Psychotherapeuten, die direkt nach der Amokfahrt wertvolle Unterstützung geleistet hätten.

Die bei der Stadt eingegangenen Spenden von rund 700.000 Euro (Stand: 15. Dezember) stehen zusätzlich zur Verfügung. OB Leibe: „Wir können zum Beispiel schnell helfen, wenn es in den Familien Liquiditätsprobleme gibt. Langfristig denken wir über eine Stiftung zur Unterstützung der Opfer nach.“ Die verschiedenen Gedenkorte in der Innenstadt, die für Opfer und Angehörige nach wie vor große Bedeutung hätten, werden von Mitarbeitern des StadtGrün-Amts gepflegt. Zum Termin des geplanten ökumenischen Gedenkgottesdienstes für die Opfer des Attentats traf der Oberbürgermeister noch keine Aussage. Eine Festlegung sei erst möglich, wenn es den Schwerverletzten besser gehe.

Zur schnellen Vermittlung eines Traumatherapieplatzes können sich Interessierte unter der 0800/5758767 von Montag bis Freitag (9 bis 16 Uhr) melden. Die Notfall-Hotline 0800/001 0218 für Ersthelfer und Betroffene ist weiter täglich erreichbar (8 bis 20 Uhr). Ansprechpartnerin für die Opferhilfe in der Stadtverwaltung ist Nina Womelsdorf, Telefon: 0651/718-2062, E-Mail: [email protected]. Dort gibt es einen eigenen Runden Tisch, der sich um dieses Thema kümmert. Das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Trier ist erreichbar unter der Rufnummer 0651/14470.